„Babbeltreff“

Nach allgemeiner Begrüßung haben wir uns über Religionen und deren Einstellung zu Organtransplantation unterhalten.

Grundlage für die Gespräche war ein Vortrag von Herrn Prof. Dr. Fred Salomon, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Lippe-Lemgo und Absolvent eines Theologiestudiums, anlässlich eines Arzt-Patienten-TX-Stammtischs am 13. Januar 2010.

–         Wie weit darf Medizin sich in den natürlichen Verlauf des Lebens einmischen?

–         Welche Rolle spielt der religiöse Glaube bei der Spende von Organen

Christentum

Aus christlicher Sicht gibt es eher Argumente für eine Organspende.
Demnach ist es Auftrag der Christen, Krankheiten zu heilen, Leiden zu lindern und Leidende zu trösten. In der Heilung und Pflege der Kranken konkretisiert sich die Nächstenliebe.

Islam

Die Organentnahme wird im Islam mehrheitlich abgelehnt. Dem entgegen steht die Unversehrtheit des Körpers.
In einer Stellungsnehme aus dem Jahr 2010 heißt es, dass Organentnahme nach dem Tod eine lobenswerte Handlung und wohltätige Hilfeleistung sei, die unter Berücksichtigung bestimmter islamistischer Vorschriften der Menschenwürde nicht widerspricht, sofern die Organspende die einzig lebensrettende Maßnahme für den Empfänger bedeutet.

Judentum

Die Jüdische Religion geht davon aus, dass die Identität eines Menschen mit seiner Leiblichkeit in einem unauflöslichen Zusammenhang steht.
Der Körper ist eine Leihgabe Gottes. Er wird durch den Tod nicht vernichtet, sondern von Gott bewahrt. Nach liberalen jüdischen Ansichten sind Rettung und Erhalt von Leben höher zu bewerten als die Unversehrtheit eines Leichnams. Seit Israels obersts Rabbinat die postmortale Organspende Ende 1980er Jahre akzeptiert hat, sind Juden sogar durch ein religiöses Gebot dazu aufgerufen, ihre Organe zu spenden.

Buddhismus

In vielen östlichen Religionen wie dem Buddhismus ist die Leiblichkeit nur eine zum Vergehen bestimmte irdische Größe. Die Organentnahme wirft keine grundsätzlichen Probleme auf.

Hinduismus:

Die Seele des Verstorbenen wird in einem anderen Lebewesen wiedergeboren.
Obwohl im Hinduismus Körper und Seele klar getrennt wahrgenommen werden, herrscht die Meinung vor, dass der Leichnam unversehrt bleiben muss. Anderseits gibt es eine große Tradition, Leiden zu helfen. Es gibt aber keine religiöse Bestimmung zur Organspende. Generell ist dies eine individuelle Entscheidung.

Shintoismus:

Der Shintoismus und sein zentraler Wert, die Reinheit, prägen die ethische Identität der Japaner. Organentnahme bei Verstorbenen werden abgelehnt, da sie als Schändung des Leichnams gelten.

Konfuzianismus:

Im Konfuzianismus, der chinesischen Staatsreligion, steht die gesellschaftliche Bedeutung eines Menschen im Vordergrund.
Die Nutzung einer medizinischen Behandlung für den Einzelnen wird mit dem Nutzen für dir Gemeinschaft abgewogen. Die Bereitschaft zur Organspende ist jedoch gering. Nur bei demjenigen, dessen Verbrechen auch durch den Tod nicht gesühnt werden können, werden Organe entnommen.

Rüdiger Volke

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