01.12.2019

Wie kommt ein Organ zum Empfänger?

Herzchirurg zu Besuch beim Adventskaffee der RG Niedersachsen
von Luisa Huwe

Die Regionalgruppe Niedersachsen hat sich am 30.11.19 zu einem gemütlichen und informativen Adventskaffee in der MHH getroffen.
Besonders haben wir uns über unseren Gast Dr. Fabio Ius gefreut, der an der MHH Herzen und Lungen operiert und transplantiert.
Wie kommt eigentlich ein Herz/eine Lunge zum Empfänger? Was passiert, während die Patienten/- innen, auf die erlösende Nachricht warten, dass das angebotene Organ wirklich passt und die Transplantation beginnen kann?

Dr. Ius leitet häufig das Entnahmeteam der MHH und hat uns diese Fragen ausführlich beantwortet und eindrucksvoll von seinen Erfahrungen berichtet.

„Man ist immer müde“, sagt Ius lächelnd. Das ist nicht verwunderlich, denn rund 70% der Organentnahmen finden nachts statt. Dennoch sind die Entnahmechirurgen/-innen bei diesen wichtigen Eingriffen immer hochkonzentriert - obwohl sie meist schon einen ganz normalen Arbeitstag hinter sich haben. Nachdem eine Klinik ein Organangebot auf dem Papier akzeptiert hat, fährt bzw. fliegt das Entnahmeteam zu dem/der Spender/in. Vor Ort kann die Funktion des Organs mittels verschiedener Messmethoden überprüft werden. Wenn alles in Ordnung ist, kontaktiert das Team die Transplantationschirurgen in der Klinik und der/die Empfänger/in kann auf die Transplantation vorbereitet werden. Ius betont, dass die ständige Kommunikation zwischen Entnahmeteam und Transplantationschirurgen/-innen in der Klinik sehr wichtig sei, um einen reibungslosen und erfolgreichen Ablauf der Transplantation zu gewährleisten.

Ein weiterer interessanter Aspekt waren die unterschiedlichen Konservierungsmethoden eines Organs. Dieses kann entweder auf Eis oder in einem „Organ Care System“ (OCS) transportiert werden. Während die Ischämiezeit (Zeitspanne, während der zu transplantierende Organe nicht mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgt werden) bei der ersten Methode deutlich kürzer ist, haben die Chirurgen/-innen beim Transport mittels OCS mehr Zeit. Dies ist besonders hilfreich, wenn die Explantation eines Organs aufgrund von Voroperationen und Vernarbungen zeitintensiver ist.

An seiner Leidenschaft für den Beruf und der Verbundenheit mit den Patienten/-innen lässt Ius keine Zweifel. Auch wenn er nach einer Operation in erster Linie auf die Parameter und die Werte der Patienten/-innen achten muss, ist er auch sehr darauf bedacht, ihre Gefühle nachzuempfinden. „Es ist unglaublich, was die Patienten/-innen in dieser Zeit durchmachen und aushalten müssen. Dafür bedanke ich mich auch bei ihnen.“, so Ius. „Ein Organ ist das größte Geschenk, was man einem Menschen machen kann. Daher habe ich großen Respekt vor der Transplantationsmedizin und bin gerne in diesem Bereich tätig.“

Für uns Patienten/-innen war es sehr interessant, eine Transplantation auch einmal von der ärztlichen Seite zu betrachten. Aber auch Dr. Ius ist von der Relevanz eines Austauschs zwischen Ärzten/-innen und Patienten/-innen überzeugt.

Abschließend möchten wir uns zudem für die Unterstützung durch das Managementteam des Transplantationszentrums der MHH bedanken. Über die Teilnahme und das Interesse von Fr. Tuffs und Hr. Kayser haben wir uns sehr gefreut.


Wir treffen uns 2020 wie gewohnt vierteljährlich: 21.03.20 (MHH), 20.06.2020 (Bad Fallingbostel),
19.09.20 (Wanderung), 28.11.20.

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