Hab Mut – steh auf! – Als Regionalgruppe aktiv beim Katholikentag in Würzburg

Regina Nagel, Mitglied im BDO

Unter dem Motto „Hab Mut – steh auf!“ hat vom 13. bis 17. Mai der diesjährige Katholikentag in Würzburg stattgefunden. Von ca. 70 000 Teilnehmenden waren etwa die Hälfte Dauergäste. Um die 900 Veranstaltungen fanden statt und waren meist sehr gut besucht. Außerdem waren mehr als 250 Gruppierungen mit einem Stand auf der Kirchenmeile vertreten – darunter auch wir, die Regionalgruppe Würzburg des BDO, unter Leitung der Vorsitzenden Dorothea Eirich.

Beim Tag der Organspende in Regensburg war ich mit ihr darüber ins Gespräch gekommen, dass das Thema Organspende bei evangelischen Kirchentagen regelmäßig durch den Bund der Lebertransplantierten vertreten wird. Bei Katholikentag war das bisher leider nicht der Fall. Dorothea Eirich hat die Idee gefallen und so haben wir spontan entschieden, einfach mal beim Vorbereitungsteam des Katholikentags nachzufragen, ob wir uns und unsere Arbeit an einem Stand vorstellen dürfen. Ganz einfach war es aufgrund der Vorgaben für die Kirchenmeile nicht. Gleichzeitig war die Reaktion auf unsere Anfrage jedoch sehr positiv und nach ein paar Vorüberlegungen war klar: Der Stand ist genehmigt und wir sind herzlich willkommen.

Die nächste Frage war nun: Können wir für drei ganze Tage Standdienste organisieren? Wir haben es in die Regionalgruppe eingebracht und wir haben mit dem Verein „Lebertransplantierten Deutschland e.V.“ Kontakt aufgenommen, da dieser Verein viel Erfahrung mit der Präsentation des Themas „Organtransplantation“ bei evangelischen Kirchentagen hat. Ergebnis: Problemlos konnten wir einen gut bestückten Standdienstplan erstellen– vor allem mit Leuten aus den eigenen Reihen und am Samstagmorgen in Zusammenarbeit sehr kompetenten und sympathischen Lebertransplantierten aus Mittelfranken.

Erfahrungen am Stand des BDO vom 14.-16. Mai 2026

Bereits am Mittwoch haben wir unseren schön gelegenen, kleinen Stand mit Tisch, Stühlen, Bannern, Informationsmaterial und Giveaways ausgestattet. Am Donnerstag nach dem Eröffnungsgottesdienst ging es dann los. Obwohl das Wetter durchwachsen war und für Mitte Mai richtig kalt, rissen die Besucherströme nicht ab – und das ging dann so drei Tage lang. Wir wurden freundlich interessiert wahrgenommen. Ein erster Anreiz, sich unserem Stand zu nähern, war das Glücksrad. Unzählige Male wurde es gedreht und selbstverständlich bekamen alle, die den Mut dazu hatten, einen Preis – auch dann, wenn sie ihre Frage nicht beantworten konnten. Viele wählten Gummibärchen oder einen Herz-Keks, andere freuten sich über Blöckchen, Kulis, Brillenputztücher, Flaschenöffner oder Blumensamen.

Überraschend viele Leute wussten gut Bescheid über Organtransplantation und hatten bereits einen Ausweis aus Papier. Erfreut nahmen sie sich eine der stabileren Plastikarten mit oder erkundigten sich danach, wie die Registrierung für Organspende funktioniert. Manche stellten Fragen zum Ablauf einer Organspende, andere äußerten ihre Bedenken und hörten interessiert unseren Erläuterungen zu. Wenn es mal etwas komplizierter wurde, haben wir uns in den Standteams mit unserem Wissen gegenseitig prima ergänzt.

Überraschend viele kamen auf uns zu, die von dem Thema in irgendeiner Weise betroffen waren – als Transplantierte oder als Angehörige von Menschen, die Organe erhalten oder gespendet hatten. „Gut, dass ihr da seid mit eurem Stand!“ – das hörten wir nicht nur einmal.

Gegen Ende des ersten Standdienstes am Donnerstag merkten wir, dass am Stand nebenan ein reges Treiben stattfand – viele Leute, Presse, Bodyguards. Was war da los? Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender waren eingetroffen. Wir hofften, dass sie danach in unsere Richtung weitergehen würden, doch leider hörten wir jemand sagen: „So, jetzt kehren wir um und gehen zurück zum Auto.“ Ohne lang zu überlegen, lief ich hin und rief: „Herr Steinmeier, wir sind hier für Organspende – Sie wollen doch sicher noch zu uns kommen?“ Er wollte, und ebenso seine Frau, und er bot sofort an, sich mit uns fotografieren zu lassen. Viele Kameras richteten sich auf uns. Dorothea Eirich kam kurz mit ihm ins Gespräch und Frau Büdenbender sagte zu mir: „Wir bleiben dran!“ Zum Abschied strahlte sie mich an und sagte: „Seit 17 Jahren habe ich meine Niere!“ (gespendet von ihrem Mann) Ich antwortete: „Und ich mein Herz seit 7 Jahren!“

Bald danach kam die Nachmittagsschicht und auch diese Gruppe hatte viel Freude an der Begegnung mit den zahlreichen Interessierten. Das Glücksrad wurde mehr und mehr zum Anziehungspunkt für Kinder. Katharina Heilig meldete mir (zu Recht!), dass wir zukünftig unbedingt ein Extra-Fragenkästchen mit Fragen für Kinder dabeihaben sollten.

Am Samstagvormittag erzählte eine Standbesucherin, dass ihr an einem Stand (gegen Abtreibung) gesagt wurde, sie seien auch gegen Organspende. Auch waren Leute mit Schildern unterwegs, auf denen „Ärzte gegen Abtreibung“ stand. Ich beschloss, inkognito hinzugehen und nachzufragen. In beiden Fällen habe ich erstmal unschuldig gefragt, wie sie denn zu Organtransplantation stehen würden. Wie erwartet waren sie dagegen. Ich ließ sie erzählen und erklären und sagte irgendwann: „Also…. Sie sind der Meinung, dass ich (nach Gottes Willen und weil Organspende was Schlimmes ist…) tot sein müsste.“ Unsichere Blicke. „Ja“, sagte ich, „ich bin seit 7 Jahren herztransplantiert und sehr froh, dass ich noch lebe. Aber Sie finden das nicht gut, oder?“ Vor allem eine Frau, mit der ich sprach, reagierte darauf sehr verunsichert. Ja, nein, so dürfe ich das nicht verstehen… Als ich mich verabschieden wollte, umarmte sie mich plötzlich sehr berührt und sagte, sie habe bisher nie jemand kennengelernt, der transplantiert sei.

Insgesamt haben am Stand sechzehn Transplantierte und Angehörige engagiert, alle machten gute Erfahrungen und erzählten davon in unserer WhatsApp-Gruppe. Hier ein paar Zitate:

  • Für mich war die Mitwirkung am Stand kein „Zeit opfern“, sondern eine große Bereicherung. Ich war überrascht, wie viele Leute sich für uns interessiert haben und wir konnten tolle Gespräche führen. Viele Jugendliche haben Infomaterial mitgenommen und wollen daheim mit ihrer Familie reden. (Bernadette)
  • Ich habe mich sehr über die positive Resonanz der Besucher gefreut und über die schönen Gespräche. Gerne wieder beim nächsten Katholikentag! (Katharina)
  • Das Glücksrad war der absolute Magnet, jedenfalls für die Kinder, und auch Ältere wurden angezogen. Man merkt, dass sich es viele beschäftigt und dass sie sich mit dem Thema befassen. (Sabine und Markus)
  • Ein Ehepaar kam zu uns an den Stand, wobei er schon lange einen Ausweis hatte. Die Frau war sehr ängstlich gegenüber der Thematik. Da spielte auch fehlende Information eine Rolle. Auch das Opt-Ink-Tattoo wurde von manchen angesprochen und gezeigt. Es waren einige Menschen dabei, die selbst transplantiert sind oder Angehörige oder Bekannte. Manche erzählten auch von Menschen, die sie kannten und die Organspender waren. (Marina)

Mehrere aus dem Standteam erzählten auch, dass sie den Katholikentag in sich sehr interessant fanden und gerne das eine oder andere Angebot wahrgenommen haben.

Persönliches Fazit

Da ich bis zur Rente beruflich und ehrenamtlich im pastoralen Bereich der katholischen Kirche aktiv war, habe ich viel Erfahrung mit Katholikentagen. Vieles in dieser Kirche sehe ich kritisch und engagiere mich vor allem gegen christlichen Fundamentalismus und spirituellen Missbrauch. Entsprechende Veranstaltungen habe ich auch diesmal besucht und natürlich bin ich unterwegs vielen Bekannten begegnet. Es war für mich wie zuvor in Stuttgart und Erfurt eine Art Familientreffen. Die faszinierende Erfahrung am Stand war nun, dass ich vor allem mit mir fremden Leuten ins Gespräch kam und dies in der Rolle als Herztransplantierte. Ich habe mich in dieser Rolle und mit dieser Aufgabe sehr wohl gefühlt und ich würde mich sehr freuen, wenn sich auch für den Katholikentag 2028 in Paderborn ein Team finden würde für einen Stand auf der dortigen Kirchenmeile.