03.01.2013

Organspende ist lebenswichtig – Transplantationsregister notwendig

Der Vorstand des Bundesverbandes der Organtransplantierten nimmt Stellung zu den Manipulationsvorwürfen in der Organverteilung an der Uniklinik Leipzig

Duisburg, 03.01.2013

Auch wenn im Zuge der Überprüfungen der deutschen Lebertransplantationsprogrammen mit der Aufdeckung weiterer Manipulationen an anderen Transplantationszentren nach den Vorfällen in Göttingen, Regensburg und München im Klinikum rechts der Isar zu rechnen war, so ist dies ein weiterer Schlag ins Gesicht aller Wartepatienten und der vielen Ehrenamtlichen die sich um Patienten und Angehörige kümmern und sich für die Aufklärung der Bevölkerung zur Organspende bemühen.

Sowohl die interne Überprüfung der Patientendaten durch die Uniklinik Leipzig selbst als auch durch die Prüfungs- und Überwachungskommission haben die in den vergangenen Jahren vorgenommenen Manipulationen zu Tage gefördert. Dass 2012 keine Manipulationen mehr vorgenommen wurden, zeigt, dass die im Sommer letzten Jahres beschlossenen Maßnahmen wirken. Beide Tatsachen zeigen, dass die Forderung das "Transplantationssystem" in staatliche Hände zu legen und dafür eine weitere Kommission zu schaffen, verfehlt ist.

Auch die Forderung nach einer drastischen Reduzierung der Zahl der Transplantations-zentren um die Kontrolle der Transplantationsprogramme zu erleichtern lehnt der BDO als sachfremd ab:

 

  • Dies ist nicht im Interesse der Patienten, die oft monatelang fern ihrer Familie und   Wohnort in einer Klinik auf ein geeignetes Spenderorgan warten müssen. Durch eine   Reduzierung der transplantierenden Kliniken würden sich sowohl die Distanz zur Heimat  als auch die Fahrten zu den Nachsorgeterminen verlängern, was nicht nur mit erheblichen  finanziellen Belastungen für die Patienten und ihren Familien verbunden wäre.
  • Die Forderung berücksichtigt in keiner Weise die vorhandenen Strukturen der deutschen   Transplantationsmedizin für die einzelnen Organe: So gibt es einerseits einige   Transplantationszentren (insbesondere für Nierenverpflanzungen), die sich auf ein Organ  spezialisiert haben und andererseits differiert die Zahl der transplantierenden Kliniken für   die einzelnen Organtransplantationen zwischen 14 (Lungen-) und 41 Nierentransplantationsprogramme), wodurch sich die große Zahl der Transplantationszentren relativiert.
  • Eine Reduzierung der Transplantationszentren würde nicht per se die Zahl der   notwendigen Überprüfungen mindern, da sich dadurch die Zahl der Transplantationen nicht ändern würde.
  • Schon heute stehen einige Transplantationsprogramme am Rande ihrer personellen wie auch räumlichen Kapazitätsgrenze. Eine weitere Steigerung der Transplantationszahlen in diesen Einrichtungen würde zumindest die Qualität der Nachsorge zu Ungunsten der Patienten gefährden.

 

Eine Lösung der den Manipulationen zugrunde liegenden Probleme sieht der BDO einzig und allein in der Steigerung der Organspendezahlen in Deutschland.

Die im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Änderungen im Transplantationsgesetz und die Einführung der Entscheidungslösung haben im Prinzip das Potential mehr Organspender zu identifizieren. Dazu müssen allerdings noch die Bundesländer ihre Landesbestimmungen bezüglich der Transplantationsbeauftragten überarbeiten bzw. erst einmal formulieren.

Inwieweit aus Qualitätssicherungsgründen die Schließung einzelner Transplantations-programme sinnvoll ist, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen, da es dazu einerseits keine ausreichende Datenlage gibt und andererseits die vorhandenen Daten teilweise widersprüchlich sind.

Die Einrichtung eines zentralen Transplantationsregisters, das durch eine unabhängige Institution geführt und vom Bundesministerium für Gesundheit dazu beauftragt wird, könnte nicht nur in dieser Frage Klarheit schaffen. Bisher fehlen jedoch die gesetzlichen Grundlagen, um die bereits heute an verschiedenen Stellen vorhandenen Daten zusammenführen zu dürfen. Der BDO setzt sich für eine entsprechende gesetzliche Änderung zur Einrichtung eines Transplantationsregisters ein.

Am 6. März 1986 wurde in Berlin der Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (BDO) gegründet. Er versteht sich seitdem als Selbsthilfegemeinschaft und Interessensvertretung für Patienten vor und nach Organtransplantation und ihre Angehörigen (Transplantationsbetroffene). Derzeit vertritt er etwa 1000 Mitglieder, die herz-, leber-, lungen-, nieren-, bauchspeicheldrüsen- (pankreas-) oder dünndarmtransplantiert sind oder noch auf eine derartige Organtransplantation warten müssen. Damit ist der BDO der einzige bundesweit tätige Selbsthilfeverband für alle Organtransplantationen. Prof. Dr. med. Bruno Reichart begleitet und unterstützt die Arbeit des BDO als Schirmherr.

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