14.01.2020

Informationstermin am Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum: Bundestagsabgeordnete informieren sich über Organtransplantation

Am vergangenen Samstag informierten sich die Bundestagsabgeordneten
Nehazad Baradari (Olpe/Märkischer Kreis, SPD), Michael Gerdes (Bottrop- Recklinghausen III, SPD) und Axel Schäfer (Bochum I, SPD) im Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum noch einmal zeitnah über die aktuelle Situation in der Organtransplantation.
Anlass war die Bundestagsdebatte über die Widerspruchslösung, die am kommenden Donnerstag (16.01.2020) in Berlin ansteht.

Unter der Moderation von Professor Viebahn, der das
Transplantationszentrum am Knappschaftskrankenhaus leitet, wurden Einblicke
vor allen Dingen in die Situation der Patienten gegeben.
Besonders beeindruckt zeigten sich die Abgeordneten durch die
Ausführungen von Martin Schwertner, Leiter der Intensivstation im
Knappschaftskrankenhaus, der über die Belange der Patienten aus
pflegerischer Sicht sprach und besonders die Pflege von hirntoten Patienten
thematisierte.
Professor Klaus Steigleder, Ethiker und Philosoph an der Ruhr-Universität
Bochum, wies auf gängige Irrtümer in der Bewertung der Organspende hin. Zu
seinen Lebzeiten bereit zu sein, dass einem nach dem Tod Organe entnommen
werden dürfen, ist keine gute Tat, sondern eine grundsätzliche moralische
Hilfspflicht. Eine moralische Pflicht zur Hilfeleistung besteht immer dann, wenn
jemand sich in einer wichtigen Sache selbst nicht helfen kann und ein anderer
zur Hilfeleistung ohne vergleichbare Kosten in der Lage ist. Dies schließt nicht
aus, dass es wichtige Gründe geben kann, einer Organentnahme zu
widersprechen, wie etwa unüberwindbare Ängste, Sorge vor einer
Überforderung der Angehörigen oder religiöse Gründe.
Einen breiten Raum nahmen die Gespräche mit Betroffenen und
Angehörigen von Patienten nach Organtransplantation ein.
So berichtete Claudia Krogul über ihren Leidensweg bei Mucoviszidose - sie
habe nach der Lungentransplantation zum ersten Mal richtig „durchatmen“ können.

Bärbel Röttger und Rene Krause beschrieben ihre „Patientenkarriere“ als
Nierenkranke und schilderten ihr Leben nach der Nierentransplantation - ohne
Dialyse, ohne Beschränkung der Trinkmenge und mit deutlich mehr Kraft.
Andre Kuse ist seine Krankengeschichte nicht anzusehen: Nach zwei
Lebertransplantationen aufgrund einer angeborenen Lebererkrankung ist er als
Bachelor of Arts in einem Architekturbüro tätig. Er merkt von seiner
Transplantation nur wenige Nebenwirkungen, die mit der regelmässigen
Medikamenteneinnahme zu tun haben..
Stefanie Gonzalez-Lopez erlitt nach einer Schwangerschaft ein schweres
Nierenversagen und sollte schon zur Transplantation angemeldet werden,
glücklicher Weise erholten sich ihre Nieren wieder. Ihre Gedanken zur
Nierentransplantation als junge Mutter schildern eindrücklich die Nöte der
Patienten auf den Wartelisten.
Einen besonders breiten Einblick gab Björn Scheid, der als langjähriger
Diabetiker im vergangenen Jahr eine Niere in Kombination mit einer
Bauchspeicheldrüse erhalten hat, er brachte seine Frau und seine Tochter mit,
die den Zugewinn an Lebensqualität schilderten, nachdem sie ihren Mann und
Vater ohne Dialyse und ohne Insulinspritzen wieder zu Hause hatten.
Abschließend wurde die Tatsache diskutiert, dass eine lange Wartezeit auch
das Ergebnis einer Organtransplantation verschlechtert. Die vergleichenden
Zahlen belegen, dass Deutschland in Mitteleuropa bei der Organspende aktuell
die Schlussstellung einnimmt.
Aus diesem Grund unterstützt die deutsche Ärzteschaft die
Widerspruchslösung ebenso wie die deutsche Transplantationsgesellschaft und der Bundesverband der Organtransplantierten, wie Rene Krause darstellte.
Die Abgeordneten stimmten mit den Patienten überein, dass dringender
Handlungsbedarf besteht.


Bildunterschrift Foto: Informationsveranstaltung im Knappschaftskrankenhaus:
von links nach rechts: Martin Schwertner, Leiter Intensivpflege, Prof. Dr. R.
Viebahn, Transplantationszentrum, Axel Schäfer, MdB, Michael Gerdes, MdB,
Frau Baradari, MdB, Uma Scheid, Rene Krause, Claudia Krogul, Stefanie
Gonzalez Lopez, Prof. Dr. K. Steigleder, Björn Scheid, Frau Scheid, Andre
Kruse, Bärbel Röttger

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