25.12.2017

41. Arzt-Patienten-TX-Stammtisch in der UKGM Gießen

Vortrag Dr. Elisabeth Dominik

Am 5. Dezember 2017 lud die BDO-Regionalgruppe Gießen/Fulda zu ihrem 41. Arzt-Patienten-TX-Stammtisch in den UKGM-Standort Gießen ein.

Leider verzögerte sich diesmal der Vortrag, da die Referentin, Frau Dr. Elisabeth Dominik, noch kurzfristig operieren musste, die Wartezeit konnte aber gut überbrückt werden.

Rüdiger Volke erzählte, welche Stammtischthemen im nächsten Jahr geplant sind und lud zu dem Vorlesungsprogramm für Senioren am Uniklinikum Gießen ein. Wolfgang Kothe berichtete anschließend von einem Vortrag der DSO (Deutsche Stiftung Organtransplantion), bei dem es um die zurückgegangenen Organspendezahlen ging.

Danach konnte der Vortrag beginnen und Dr. Dominik referierte sehr informativ, leicht verständlich und auch unterhaltsam über das Thema „Herzinsuffizienz-Auswirkung auf lebenswichtige Organe“.

Linksherzinsuffizienz, Rechtsherzinsuffizienz und Globalinsuffizienz

Bei Herzinsuffizienz/Herzschwäche handelt es sich um eine krankhafte Störung des Herzens, bei der dieses nicht mehr in der Lage ist, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen.

Es gibt unterschiedliche Manifestationen. Bei der Linksherzinsuffizienz ist das linke Herz betroffen, bei der selteneren Rechtsherzinsuffizienz das rechte Herz und bei der sehr selten vorkommenden, meist angeborenen Globalinsuffizienz sind beide Herzkammern betroffen.

Bei der Linksherzinsuffizienz ist die Pumpleistung des linken Herzens vermindert. Es kann nicht mehr die Arbeitskraft aufbringen, die für die Anforderungen durch die vorherrschenden Bedingungen des Blutkreislaufes nötig ist.

Es kommt durch diese Schwäche zu einem Blutrückstau in den linken Vorhof und damit zu einer Druckerhöhung in der Lunge. In Folge beginnt sich Blut in der Lunge zu stauen und schließlich kommt es zu einem Lungenödem, also zu dem Austritt von Flüssigkeit in das Gewebe.

Bei der Rechtsherzinsuffizienz ist die Pumpleistung des rechten Herzens gemindert. Normalerweise leitet das rechte Herz sauerstoffarmes Blut in die Lunge zur Anreicherung mit neuem Sauerstoff weiter. Durch die Schwäche aber kommt es zu einem Rückstau des Blutes zurück in die Körpervenen, wodurch sich der Venendruck erhöht und sich vermehrt Wasser im Gewebe ansammelt.

Bei der globalen Herzinsuffizienz sind beide Herzkammern betroffen. Diese Form ist meistens angeboren und kommt ansonsten nur sehr selten vor. Viele Kinder mit diesem Problem kommen mit nur einer Herzklappe auf die Welt und müssen eine weitere, künstliche Klappe eingesetzt bekommen.

Akute und chronische Herzinsuffizienz

Man unterscheidet bei Herzinsuffizienz außerdem zwischen einer akuten und einer chronischen Form.

Die akute Herzinsuffizienz entwickelt sich innerhalb von Stunden bis Tagen und kann verschiedene Ursachen haben. So können tachykarde (zu hohe Herzfrequenz) oder bradykarde (zu niedrige Herzfrequenz) Herzrhythmusstörungen, verschleppte Herzmuskelentzündungen mit viraler oder bakterieller Ursache , eine mechanische Behinderung der Herzkammerfüllung, z.B. durch eine Herzbeuteltamponade, eine plötzlich auftretende Klappeninsuffizienz durch Einriss einer vorgeschädigten Herzklappe, eine Lungenembolie oder auch ein akuter Herzinfarkt zu einer akuten Herzinsuffizienz führen.

Eine chronische Herzinsuffizienz hingegen entwickelt sich über einen langen Zeitraum, von Monaten bis Jahren, und kann sich auch erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen. In den westlichen Ländern ist die Koronare Herzkrankheit Hauptursache für eine chronische Herzinsuffizienz. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, meistens ausgelöst durch eine Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Bluthochdruck als Ursache

Eine weitere Ursache ist der Bluthochdruck, der ungenügend behandelt auf Dauer schwere Schäden, nicht nur am Herzen, anrichten kann. Bei der Einstellung richtet man sich nach dem zweiten Wert (diastolischer Wert) da er aussagekräftiger ist. Ab Werten, die dauerhaft auch in Ruhe immer über 90 gehen, sollte der Blutdruck behandelt werden. Patienten können aber auch durch eine Änderung bestimmter Gewohnheiten etwas zur Besserung beitragen, so z.B. durch gesündere Ernährung, Bewegung und das Einstellen des Rauchens.

Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck kann u.a.dazu führen, dass sich Wasser in der Lunge durch einen Blutrückstau ansammelt, da die Lunge mit dem hohen Druck nicht zurechtkommt, was zu einem erhöhten Druck in der Lunge führen kann und dann zu einer Schädigung.

Auch die Nieren können zerstört werden. Bei zu hohem Druck scheiden sie zu viel Hormone aus und auch Proteine. Die Filtrationsrate sinkt, bei der normalerweise nicht-giftige Stoffe im Körper behalten und giftige ausgeschieden werden und die Niere wird geschädigt.

Außerdem kann zu hoher Blutdruck zu Kopfschmerzen und sogar Ohnmacht führen.

Klassifikationen der Herzinsuffizienz

Die Herzinsuffizienz kann in verschiedene Stadien bzw. Schweregrade eingeteilt werden. Die Klassifikation der New York Heart Association teilt den Verlauf in vier Stadien ein (NYHA Stadien 1-4).

  • Stadium I
    Herzschwäche, bei der körperliche Alltagsbelastungen keine unangemessene Erschöpfung, Atemnot oder Rhythmusstörungen verursachen.
  • Stadium II
    Alltägliche körperliche Belastungen wie z.B. Treppensteigen führen über das normale Maß hinaus zu Erschöpfung, Atemnot oder Herzrhythmusstörungen.
  • Stadium III
    Bereits geringe körperliche Belastungen verursachen Erschöpfung, Rhythmusstörungen oder Atemnot. Keine Beschwerden in Ruhe.
  • Stadium IV
    Herzinsuffizienz mit Beschwerden bei allen körperlichen Aktivitäten und auch in Ruhe. Bettlägerigkeit.

(Quelle: Deutsche Herzstiftung)

 

Symptome

Eine Herzinsuffizienz kann sich in verschiedenen Symptomen äußern.

Das häufigste Anzeichen ist Atemnot bei körperlicher Belastung und im späteren Stadium auch in Ruhe. Außerdem kann es zu Lungen-oder Beinödemen kommen. Häufiges nächtliches Wasserlassen, Herzrhythmusstörungen und starkes Herzklopfen sind weitere Hinweise auf eine Herzschwäche. Zudem leiden Betroffene häufig unter einer Leistungsminderung, unter Müdigkeit und auch Appetitlosigkeit.

Diagnostik

Zeigen sich bei einem Patienten Symptome, die auf eine Herzinsuffizienz hinweisen, werden einige Untersuchungen durchgeführt, um eine Diagnose stellen zu können.

Dazu gehören eine ausführliche körperliche Untersuchung, bei der z.B. Halsvenenstauungen, Rasselgeräusche in der Lunge oder eine Pulsbeschleunigung Hinweis geben können. Ein EKG, eine Lungenfunktionsuntersuchung, eine Echokardiographie (Herzultraschall), Röntgen, MRT, aber auch ein Oberbauchultraschall und Laboruntersuchungen helfen bei der Diagnosestellung.

Therapie

Für die Behandlung einer Herzinsuffizienz können verschiedene Strategien in Frage kommen:

  1. nicht-medikamentöse Therapie,
  2. medikamentöse Therapie,
  3. technisch-medizinische Therapie.

Unter den ersten Punkt fallen je nach Patient Sport, eine Ernährungsumstellung, das Aufgeben von Rauchen und anderen Genussmitteln, eine Gewichtsreduktion und/oder eine Blutdrucksenkung. Falls ein relevanter Herzklappenfehler vorliegt, sollte der operative Klappenersatz erwogen werden.

Der zweite Punkt umfasst die Gabe von passenden Medikamenten und der dritte Punkt die verschiedenen operativen Möglichkeiten, wie das Drei-Kammer-Herzschrittmachersystem (Biventrikuläre Herzschrittmacher/Defibrillatoren), das Kunstherzverfahren oder die Herztransplantation.

Herzunterstützungssystem

Da die Zahl der Organspenden leider immer weiter sinkt und auch Herztransplantationen bei über 60 jährigen Patienten eher selten vorgenommen werden, bietet das Kunstherz eine gute Alternative. Dabei handelt es sich um ein mechanisches Kreislaufunterstützungssystem. Es ersetzt beide Ventrikel des Herzens und wird quasi als Ersatz für das eigene Herz eingesetzt. Dieses System ist sehr klein, aber recht schwer und besteht aus Titan. Es kann 4 bis 5 Liter pro Minute durch den Körper pumpen, neuere Systeme sogar 6 bis 7 Liter. Wichtig ist, dass die Patienten Marcumar einnehmen müssen. Da ein Kunstherz sehr teuer ist (80.000 Euro, neuere Systeme sogar ca.350.000 Euro) wird im Vorfeld, ähnlich wie bei den Vorbereitungen für eine Organtransplantion, genau geprüft, wer als Empfänger in Frage kommt. Das Kunstherz hat viele Vorteile, u.a. dass sich bereits in Mitleidenschaft gezogene Organe wieder erholen können und man einen relativ normalen Alltag leben kann. So ist es mit neueren Systemen sogar möglich, zu duschen (in einer bestimmten Zeit von ca. 5 bis 10 Minuten). Baden und Schwimmen ist aber leider weiterhin nicht möglich.

Sollte eine Herztransplantation nötig sein, wird im Vorfeld, wie schon angedeutet, genaustens geprüft, ob der Patient dafür geeignet ist. Auch die Compliance (Mitarbeit des Patienten) spielt dabei eine große Rolle.

Nach diesem sehr interessanten Vortrag bedankte sich Herr Volke bei der Referentin und der Nachmittag endete wieder in einem netten Zusammensein in der Cafeteria.

Auch im nächsten Jahr wird die BDO-Regionalgruppe Gießen/Fulda wieder zu mehreren interessanten Stammtischen einladen und freut sich über rege Teilnahme. Die Termine werden auf der BDO-Homepage und auf der des Uniklinikums Gießen angezeigt.

Andrea Dorzweiler, 20.12.2017

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