Pressekonferenz zu 20 Jahren Transplantationsgesetz

Mittwoch, 13. Dezember 2017, 11 Uhr

Tagungszentrum im Haus der Bundespressekonferenz

Schiffbauerdamm 40 / Ecke Reinhardtstraße 55, Berlin

Raum 2


Ihre heutigen Gesprächspartner

Peter Gilmer

Vorsitzender des Selbsthilfenetzwerks Bundesverband Niere e.V. (BN e.V.), Mainz

Martin Koczor

Geschäftsführer des Selbsthilfenetzwerks Bundesverband Niere e.V. (BN e.V.), Mainz


Patientenvertreter im G-BA, Schwerpunkt Qualitätssicherung Nierenersatztherapie

Alexander Brick

Vorstand (beratend) der Lebertransplantierten Deutschland e.V. (LD), Magdala (Thüringen), Lebertransplantation 2014


Mitglied im Arbeitskreis Transplantationsgesetz und Organspende der Lebertransplantierten Deutschland e.V.

Burkhard Tapp

Bundesverband der Organtransplantierten e.V. (BDO), Sasbach am Kaiserstuhl, Doppellungentransplantation 2002


Presse- und Öffentlichkeitsarbeit; Sprecher (einer von drei) der Bundesarbeitsgemeinschaft Transplantation und Organspende (BAG TxO);
Patientenvertreter mit folgenden Schwerpunkten: Herz- und Lungentransplantation beim Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) und bei der Bundesärztekammer (BÄK); sowie Datenschutz zum Transplantationsregister


20 Jahre Transplantationsgesetz:
Patientenverbände fordern, Organspendetief endlich
aufzuhalten!

Das Transplantationsgesetz (TPG) ist vor 20 Jahren in Kraft getreten – mit dem Ziel, die Organspende in Deutschland rechtlich zu regeln. Seit 2011 gehen die Spenderzahlen jedoch dramatisch zurück. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Trans-plantation und Organspende (BAG TxO)* sieht hier dringenden politi-schen Handlungsbedarf. Sie fordert vom Gesetzgeber, bei der Frei-stellung von Transplantationsbeauftragten in den Entnahmekranken-häusern die Zuständigkeit endlich dem Bund zu übertragen, statt sie weiter bei den Ländern zu belassen.
Der 1. Dezember 1997 gilt als Geburtsstunde des Transplantationsgeset-zes (TPG): Mit einer Zweidrittel-Mehrheit aller Bundestagsfraktionen wurde damals die rechtliche Regulierung der Organtransplantation in Deutschland aus der Taufe gehoben. Das TPG machte es ab sofort möglich, Organ-transplantationen auf rechtlich gesicherter Grundlage vorzunehmen und gleichzeitig dem Organhandel einen Riegel vorzuschieben. Patienten und handelnden Akteuren in den Kliniken verschaffte es zudem eine juristisch gesicherte Plattform. Die Organspende, die Organvermittlung und die Or-gantransplantation sind seither getrennt organisiert und transparent gere-gelt. Für jedes Organ gibt es jetzt eine bundesweite Warteliste.
Was dieses Gesetz – auch nach seinen rechtlichen Anpassungen in 2012 und 2013 – leider nicht erreicht hat, sind höhere Spenderzahlen. Nach wie vor sterben viele Menschen auf den Wartelisten, weil sie kein Organ be-kommen. Die aktuellen Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantati-on (DSO) zeigen einen erneuten Rückgang der Organentnahmen und der Organtransplantationen.
Dieser Negativtrend war schon 2011 ins Rollen gekommen. Konnte 2010 die Organspende noch bei 1296 Spendern durchgeführt werden, waren es sechs Jahre später nur noch 857.
Dies entspricht einem Rückgang postmortaler Organspender um über 33 Prozent. Nach den bisher für 2017 vorliegenden Zahlen ist mit einem weiteren Rückgang von etwa fünf Prozent zu rechnen. Diese dramatische Entwicklung könne nicht durch die Hinzunahme von Lebendspenden bei Nieren und Le-bendteilspenden bei Lebern ausgeglichen werden, betont die BAG TxO: „Aus unserer Sicht ist die nega-tive Entwicklung der Organspende in Deutschland in keiner Weise akzeptabel.“
Tx-Beauftragte spielen Schlüsselrolle
Die Bundesarbeitsgemeinschaft sieht deshalb einen dringenden Bedarf zur Optimierung der Transplan-tation in Deutschland. Für die Identifizierung möglicher Organspender in den Entnahmekliniken sind die Transplantationsbeauftragten zuständig. Sie müssten für ihre Tätigkeit dringend eine umfassende Stär-kung erfahren, fordert die BAG TxO. Auch der weitere Rückgang der Spenderzahlen habe ja gezeigt: Die Novellierung des TPG von 2012 hat die Situation nicht verbessert.
Der Paragraph 9b des Transplantationsgesetzes, der derzeit im Absatz 3 die konkrete Arbeit der Trans-plantationsbeauftragten beschreibt, nimmt die Bundesländer in die Pflicht, dies in ihrer Hoheit zu regeln. „Diese 16, zum Teil noch zu errichtenden landesspezifischen Ausführungsgesetze, werden dem zentra-len organisatorischen Bedarf der Organtransplantation in Deutschland bei Weitem nicht gerecht“, kriti-siert die Selbsthilfeorganisation. „Organentnahmen und Transplantationen machen bekanntlich an Län-dergrenzen nicht halt.“
Laut BAG TxO bedarf es einer einheitlichen und bundesgesetzlichen Regelung, wie schon 1997 beim TPG. So könnte man auch für die Transplantationsbeauftragten in den einzelnen Bundesländern eine gemeinsame rechtliche Grundlage schaffen, die mögliche Organspender in den Entnahmekrankenhäu-sern wesentlich besser identifiziert. Darüber hinaus müssten Transplantationsbeauftragte einen verfah-rensgerechten Zugang zu den Patientendaten potenzieller Spender erhalten und frei von Weisungen Dritter sein.
In Sachen weiterer Novellierung des Transplantationsgesetzes verfolgt die BAG TxO ein konkretes Ziel: die bessere Nachsorge. Als unverzichtbare Regelungen sieht sie hier den Aufbau bzw. die Stärkung dezentraler Strukturen, aber auch die Übernahme von Reisekosten für ambulante Nachsorge-Termine. So ließen sich die Therapietreue der Patienten (Adhärenz) stärken, die wenigen Transplantationen er-folgreicher machen und das Überleben von Empfängern und Transplantaten sichern.
„Die BAG TxO wird sich mit ganzer Kraft für die umgehende Verbesserung der Organisation der Organ-transplantation in Deutschland einsetzen, damit die Menschen auf den Wartelisten eine Chance zum Überleben haben“, erklärt die Bundesarbeitsgemeinschaft.
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* Die BAG TxO ist ein Zusammenschluss der drei großen Selbsthilfeverbände von Organtransplantation betroffe-ner Menschen in Deutschland: Bundesverband der Organtransplantierten (BDO) e.V., Bundesverband Niere (BN) e.V. und Lebertransplantierte Deutschland e.V. (LD).
Die elektronische Pressemappe finden Sie unter bdo-ev.de/bag-txo/pressmitteilung-bag-txo/elektronische-pressemappe-zu-20-jahre-tpg/


Information zur Bundesarbeitsgemeinschaft Transplantation und Organspende (BAG TxO)

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Aufruf an Patienten vor und nach Organtransplantation und Lebendorganspender zur Unterstützung des Transplantationsregisters

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