14.10.2016

"Endlich!" - Angehörige standen erstmals im Mittelpunkt

-	Dr. Gertrud Greif-Higer bei Ihrem Vortrag im Runden Saal (Foto © Matthias Bock, Tx-Zentrum Freiburg)

Angebot der BDO-Regionalgruppe Südbaden von Burkhard Tapp, Sasbach am Kaiserstuhl

Seit 2006 veranstaltet das Transplantationszentrum Freiburg jedes Jahr den Patienten-Informationstag zur Nierentransplantation. Von Beginn an ist der BDO mit einem Infostand vertreten, der seit 2007 von der Regionalgruppe Südbaden im Konzerthaus Freiburg durchgeführt wird.

Nach mehreren Gesprächen zwischen dem BDO und dem Transplantationszentrum Freiburg gelang es  in diesem Jahr das bisher übliche Programm des Patienten-Informationstages um Angebote für Angehörige von Patienten zu erweitern.

Zunächst hielt Frau Dr. Gertrud Greif-Higer, Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie ihren Vortrag unter dem Titel "Angehörige von Patienten rund um die Transplantation – Warum sie so wichtig sind für den Erfolg!" vor den rund 250 TeilnehmerInnen der Veranstaltung im Konzerthaus. Dabei führte Sie aus, dass es bisher keinerlei Literatur zum Thema gibt – auch keine englisch-sprachige. Daher kann die Psychologie und Psychosomatik keine gesicherten Aussagen über Angehörige, ihre Situation, sowie deren Anliegen und Bedürfnissen machen. "Damit fangen wir heute an. Dazu sind wir auf Sie angewiesen!", machte Frau Dr. Greif-Higer deutlich.

Anschließend begann das erste Angehörigenseminar, das nur Lebendorganspendern vorbehalten war. Jeder der 18 Teilnehmerinnen und drei Männer, fanden auf ihrem Platz zwei Blätter mit den folgenden vier Fragen vor: "Vor der Lebendspende hätte ich dringend benötigt …" – Wenn ich an die Zeit nach der Lebendspende denke, kommt mir in den Sinn …" – "Anderen Lebendspendern / möglichen Lebendspendern würde ich gerne sagen …" und "Ärzten und Pflegenden würde ich gerne sagen …". Außerdem hatte Frau Dr. Greif-Higer eine weitere PowerPoint-Präsentation vorbereitet, die sie mit den TeilnehmerInnen gemeinsam durchging.

Nach der Mittagspause die für die TeilnehmerInnen des Lebenspenderseminars zugunsten der Dauer ihres Seminars sehr kurz war, folgte das Seminar für Angehörige von Wartelistenpatienten und Transplantierten mit 20 Frauen und sechs Männern. Für diese hatte Frau Dr. Greif-Higer ebenfalls zwei Blätter mit vier Fragen und eine Präsentation vorbereitet.

In beiden Seminaren war die Beteiligung sehr rege. So wurden nicht nur viele Fragen gestellt sondern auch sehr offen von den eigenen Erfahrungen und der persönlichen Situation berichtet. Wer einverstanden war konnte die Blätter mit den Antworten auf die jeweils vier Fragen aus den Seminaren zur Auswertung Frau Dr. Greif-Higer aushändigen. Derzeit steht eine detaillierte Auswertung noch aus.

Großes Interesse

Beim Patienten-Informationstag 2015 wurden zunächst vor allen Anwesenden gefragt, wer von den Angehörigen Interesse an einem Seminar hätte. Per Handzeichen meldeten sich 40 Angehörige. Beim Feedbackbogen setzten sogar 50 Personen ein Kreuzchen bei der entsprechenden Frage.

Nachdem die Einladungs- und Programmflyer zum diesjährigen Patienten-Informationstag verschickt waren, meldeten sich jeweils so viele an, dass wir für beide Seminare Wartelisten anlegen mussten. So waren auf der Warteliste für das Seminar der Lebendorganspender drei Personen und für das Seminar für Angehörige von Wartepatienten und Transplantierte sogar neun Personen vorgemerkt. Direkt vor Beginn der beiden Seminare meldeten sich weitere InteressentInnen, die ebenfalls notiert wurden. Da einige der Angemeldeten nicht kamen (u.a. wegen Stau), konnten letztlich alle auf den Wartelisten Vorgemerkten an den entsprechenden Seminaren teilnehmen.

Rückmeldung der TeilnehmerInnen

Für beide Seminare gab es getrennte Feedbackbögen. Der Anteil der abgegebenen Fragebögen war außergewöhnlich hoch: Seminar für Lebendspender fast 86 %, Seminar 2 100 %. Dies ist sicherlich ein weiteres Indiz für die Bedeutung der Seminare für die TeilnehmerInnen. Was auch teilweise in den schriftlichen Kommentaren auf den Feedbackbögen zum Ausdruck gebracht wurde. Diese zeugen u.a. von großer Not, Dankbarkeit und Begeisterung über Frau Dr. Greif-Higer und ihre Seminarführung: "… ENDLICH – ENDLICH – ENDLICH werden die Sorgen und Nöte der Angehörigen überhaupt einmal wahrgenommen!!!!!!!!!! …" - "War total hilfreich und informativ. Danke Frau Dr. Greif-Higer!!!"

Die positiven Beurteilungen des Vortrages von Frau Dr. Greif-Higer und des Seminars lagen bei den Lebendspendern deutlich über 80 %; bei den TeilnehmerInnen im Seminar 2 deutlich über 90 % bzw. in Bezug auf das Seminar sogar bei 100 %. Leidiglich bei der Frage nach der Möglichkeit sich im Seminar einbringen zu können, gab es bei der Beurteilung Abstriche. Rund 78 % der Lebendspender beantworteten diese Frage uneingeschränkt positiv. Im Seminar 2 waren dies rund 81 % der Angehörigen. Dies war auch in den schriftlichen Kommentaren nachzulesen, wo wiederholt mehr Zeit für Seminare erbeten wurde.

Fortsetzung bzw. Wiederholung dringend gewünscht

Fast 89 % bzw. über 96 % würden gerne wieder an einem Seminar für Lebendspender bzw. Patientenangehörige teilnehmen. In den schriftlichen Kommentaren hieß es z.B., "… ein super Angebot, bitte weitermachen!!! …"

So gab es auch die Anregung derartige Angebote grundsätzlich in der öffentlichen Gesundheitsfürsorge zu verankern. Ein anderer Kommentar regte an die Seminare aus dem Patienten-Informationstag auszugliedern, um mehr Zeit zur Verfügung zu haben. Leider ist dies aufgrund des Datenschutzes bisher nicht möglich.

Fazit

Interesse und Feedback zeigten sehr deutlich, dass Angebote für Angehörige von Patienten vor und nach Organtransplantation und Lebendspende dringend gebraucht werden. Alle Beteiligten des kombinierten Patienten-/Angehörigen-Informations-Tages sind sich einig, dass die Erweiterung des Informationsangebotes auf Angehörige eine richtige und wichtige Maßnahme darstellt. Ein Anfang wurde damit in Freiburg gemacht, es liegt jetzt an uns allen, diesen Ansatz weiter voran zu bringen, über die Region hinaus bekannt zu machen und zu etablieren.

In jedem Fall strebt die Regionalgruppe Südbaden in Zusammenarbeit mit dem Transplantationszentrum Freiburg für den nächsten Patienten-Informationstag am 15. Juli 2017 wieder Seminare für Angehörig an. Wir hoffen, dass wir dann auch wieder von einer gesetzlichen Krankenkasse finanzielle ausreichend unterstützt werden.

Dank

Frau Dr. Greif-Higer hat ohne zu zögern (und ohne zu ahnen, auf was sie sich damit eingelassen hat) zugesagt den Vortrag und die beiden Seminare zu übernehmen als ich sie im letzten Jahr darum gebeten habe. Aus den positiven Rückmeldungen geht klar hervor, dass sie den richtigen Ton und den richtigen Ansatz bei den TeilnehmerInnen getroffen hat und  für alle eine große Hilfe war. Die Absprachen waren unkompliziert. Zudem ist sie der Regionalgruppe finanziell entgegengekommen. Sie hat sich bereits bereit erklärt die Seminare im kommenden Jahr wieder zu leiten. Für all das danke ich Frau Dr. Greif-Higer sehr herzlich.

Außerdem möchte ich Frau Silvia Hils, Transplantationszentrum Freiburg, für die kreative Vorbereitung und Einbeziehung der Seminare in das Programm des Patienten-Informationstages herzlich danken. Die Zusammenarbeit mit ihr ist immer sehr konstruktiv und macht Spaß.

Nicht zuletzt gilt mein Dank der AOK Südlicher Oberrhein, namentlich Frau Michaela Friedl, die die Angebote für Angehörige finanziell ermöglicht hat. Auch von Frau Friedl erhielt ich die notwendige Unterstützung bei der Antragsstellung.

Für Fragen

Regionalgruppe Südbaden

Burkhard Tapp

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