04.10.2017

40. Arzt-Patienten-TX-Stammtisch

Am 5. September lud die BDO-Regionalgruppe Gießen/Fulda zu einem erneuten Stammtisch im UKGM-Standort Gießen ein. Diesmal hielt der Nephrologe Dr. H. Karakizlis einen Vortrag zu dem Thema „Dialyse: wann-wie-wo-was passiert in meinem Körper“.

Nach Begrüßung der Anwesenden durch Rüdiger Volke, hatte Frau Moos, Transplantationsbeauftragte des Uniklinikums Gießen, das Wort. Sie berichtete von einer Initiative die von Angehörige von Organspendern ins Leben gerufen wurde. Diese möchten von ihren Erfahrungen berichten und setzen sich auch dafür ein, dass der persönliche, anonyme Dankesbrief vom Organempfänger an die Angehörigen des Spenders wieder möglich gemacht wird.

Lage und Aufgabe der Nieren, Niereninsuffizienz

Dr. Karakizlis begann seinen Vortrag mit einer kurzen anatomischen Einführung. Die Nieren sind paarige Organe, welche hinter der Leber und unter dem Zwerchfell zu finden sind. Sie liegen außerhalb der Bauchhöhle hinter dem Bauchfell (Peritoneum).

Sie übernehmen im Körper verschiedene Funktionen. Hauptaufgabe dabei ist die Bildung des Harns, wodurch auch Endprodukte des Stoffwechsels und Giftstoffe aus dem Körper ausgeschieden werden. Außerdem sind sie u.a. an der Regulation des Wasser-und Elektrolythaushaltes und des Säure-Basen-Gleichgewichts beteiligt.

 Anhand eines Fallbeispieles, das den Verlauf von körperlichen Syptomen bis hin zur Diagnosestellung anschaulich zeigte, ging Dr. Karakizlis danach auf das Thema Niereninsuffizienz ein.

Wenn die Nierenfunktion nachlässt, kommt es zu einer verschlechterten Urinproduktion und zum Auftreten einer Vielzahl von Symptomen (wobei sich nicht alle Symptome bei jedem Patienten zeigen müssen):

Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, ein Geruch nach Azeton, Beinödeme, Wasser in der Lunge, Gewichtszunahme, Bluthochdruck mit gleichzeitig niedriger Herzfrequenz und Veränderungen im EKG (Herzrythmusstörungen) und bei der Sonographie (Ultraschall), Auffälligkeiten des Blutbildes, wie ein erhöhter Kreatininwert, ein niedriger Hämoglobinwert (Anämie), veränderte Elektrolyte (erhöhter Kaliumspiegel) und ein ins saure Milieu veränderter PH-Wert.

Dem behandelnden Arzt stellen sich dann zwei Fragen. Zum einen welches Grundproblem dieser umfassenden Symptomatik zugrundeliegt und zum anderen, ob all diese Symptome einer einzigen Erkrankung zuzuordnen sind.

In diesem Fall sind alle Probleme auf eine Erkrankung, nämlich die Niereninsuffizienz, zurückzuführen. Nun muss noch zwischen akuter und chronischer Form unterschieden werden. Bei einem aktuen Auftreten würde der Patient aufgrund der Schwere der Symptome wohl früher einen Arzt aufsuchen, sodass es wohl eine chronische Form ist, die schleichend verlaufen ist und an die sich der Patient gewöhnt hat.

Eine chronische Niereninsuffizienz lässt sich in verschiedene Verlaufsstadien einteilen. Dabei geht man von einer Kreatininclearance im Sammelurin aus, bei der ca. 100ml/min=100% Funktion darstellen. *(GFR=Glomuläre Filtrationsrate)

Verlaufsstadien Niereninsuffizienz
StadiumGFR (ml/min)*Schädigungsgrad
Behandlung
1>90leichte Schädigung bei normaler Nierenfkt.erste Diagnose und Therapie zur Progressionsverzögerung
260-89mild Therapieziel Progressionsabschätzung und -verzögerung
330-59 mittelschwerKardiovaskuläres Risiko, Präurämie
415-29schwer , präterminale NIProgredienz, Mitbetreuung durch Nephrologen
5 >15terminale NIChronisches Nierenversagen, Dialyse und falls möglich Nierentransplantation

Dialyse: Hämo- und Peritonealdialyse

Die Dialyse,die auch als Blutwäsche oder künstliche Niere bezeichnet wird, ist ein Verfahren bei dem das Blut mithilfe einer Maschine von giftigen Stoffen gereinigt wird.

Sie ist die angezeigte Therapie im terminalen Stadium einer Niereninsuffizienz, wenn eine medikamentöse Behandlung nicht mehr ausreichend ist. Besonders Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck sind Erkrankungen, die oft zu einer Dialysepflicht führen. Vereinzelt müssen auch Organtransplantierte aufgrund von Nierenschädigungen durch die Immunsuppressiva an die Dialyse.

Bei dem Vortrag wurden zwei Arten der Dialyse vorgestellt: die Hämodialyse und die Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse).

Bei der Hämodialyse wird ein hoher Blutfluss benötigt, damit das Blut schnell aus dem Körper rausfließen, gereingt und dem Körper wieder zugeführt werden kann. Um dies zu erreichen wird dem Patienten ein Cimino-Shunt gelegt. Dabei wird ein künstlich erzeugter Kurzschluss zwischen einer Vene und einer Arterie operativ herbeigeführt. Die Dialysedauer beträgt 4 Stunden (Nachtdialyse 8 Stunden), in denen die Leistung erbracht wird, welche die Nieren sonst in 24 Stunden erbringen müssen und wird mindestens dreimal pro Woche durchgeführt.

Bei der Dialyse wird nicht nur das Blut gereinigt, sondern dem Patienten auch überschüssiges Wasser entzogen. Außerdem kann durch Bestimmung der Druckverhältnisse entschieden werden, welche Stoffe dem Blut entzogen und welche hinzugegeben werden.

Bei der Peritonealdialyse/Bauchfelldialyse wird dem Patienten ein Katheter in den Bauch implantiert. Die Bauchhöhle fungiert als Reservoir, in das Flüssigkeit gefüllt wird und dort verbleibt. Nach meist 4 Stunden wird sie abgelassen, was ca. 30 Minuten in Anspruch nimmt. Dieser Vorgang wird insgesamt viermal ausgeführt. Die Peritonealdialyse kann auch nachts durchgeführt werden. Falls dem Patienten Wasser entzogen werden soll, werden der Dialyseflüssigkeit Traubenzucker oder andere Substanzen zugesetzt. Der Katheter im Bauch kann 5 bis 8 Jahren dort verbleiben. Das Enzündungsrisiko ist relativ gering, es sollte aber hygienisch gearbeitet werden. Positiv zu erwähnen ist auch die Bewegungsfreiheit, die der Patient während der Behandlung genießt, da er dabei nicht liegen muss. Stören könnten währenddessen höchstens die ca. 2 Liter Flüssigkeit im Bauch.

Abschluss

Abschließend beantwortete Dr. Karakizlis noch einige Fragen der interessierten Teilnehmer, so z.B. wie hoch der Anteil bereits Organtransplantierter an Dialyse- und Wartepatienten für eine neue Niere ist. Seiner Erfahrung nach kommt dies nur selten vor. So sind in Gießen im Moment drei von 160 Patienten auf der Warteliste für eine neue Niere Menschen, die schon ein Organtransplantation hinter sich haben. Es gäbe zwar viele, die eine Niereninsuffizienz entwickeln würden, aber diese würde nur selten zur Notwendigkeit einer Dialysebehandlung führen.

Am Ende des Vortrages bedankte sich Rüdiger Volke bei dem Referenten, stellte die Stammtischthemen für das nächste Jahr vor (u.a.Sozialrecht, Osteoporose) und bat darüber hinaus um Anregungen für Themen, welche für Transplantierte, Wartepatienten und auch Angehörige interessant sein könnten.

Beim „Babbeltreff“ in der Cafeteria klang der Abend entspannt aus. Der letzte Stammtisch in diesem Jahr wird im Dezember stattfinden.

Andrea Dorzweiler

Kontakt

BDO e. V.,
Bundesverband der Organtransplantierten

Hausanschrift: Marktstr. 4, 31167 Bockenem

Postanschrift: Postfach 0207, 31164 Bockenem
Tel. (05067) 24 91 010, Fax (05067) 24 91 011

Neue Öffnungszeiten bis Ende Feb. 2018

Mo 15:00 - 18:00 Uhr

Di 10:00 - 12:30 Uhr

Mi, Do 10:00 -18:00 Uhr


oder per E-Mail: info@remove-this.bdo-ev.de

Unterstützen Sie uns

UNSER SPENDENKONTO

Bundesverband der Organtransplantierten e.V.

Bank für Sozialwirtschaft Köln, filiale Essen

IBAN  DE87 3702 0500 0007 2110 01

BIC    BFSWDE33XXX

Unterstützt den BDO e.V. mit euren Online-Einkäufen - ohne mehr zu zahlen!

So entsteht automatisch eine Spende für den BDO e.V., die euch keinen Cent kostet. Fügt den Link am besten gleich zu euren Favoriten hinzu. Vielen Dank!

https://www.boost-project.com/de/shops?charity_id=4207&tag=blbspt

Bitte Unterstützen Sie uns!

Wir vom BDO helfen gerne, aber unsere finanziellen Mittel sind begrenzt und wir sind auf  Eure  Hilfe angewiesen.

Der BDO hilft Menschen vor, während und nach einer lebensrettenden Organtransplantation. Diesen Dienst üben wir, als Gemeinnützige Organisation, seit 30 Jahren aus und wollen das auch in Zukunft tun.

Unser Engagement umfaßt Begegnung, Beratung, Betreuung, Information, Kooperation und Organisation.

Wir möchten unser Angebot erweitern und einen Angehörigen-Kreis einrichten. Wo sich Angehörige treffen können um sich auszutauschen. Transplantation betrifft nicht nur die, die erkrankt sind. Auch das Leben von Partnern und Kindern, von Verwandten und engen Freunden verändert sich. Mit der Situation umzugehen, ist für alle Beteiligten nicht leicht.

Bitte helft Uns damit wir helfen können.

Diese Aktion läuft 44 Tage, in der Sie uns durch eine Spende Unterstützen können. Einfach auf den Link klicken!

https://www.leetchi.com/c/organisationen-von-bundesverband-der-organtransplantierten-e-v

Abbildung: BDO-Aufkleber mit Slogan "Warum Organe auf Wolken betten?"

BDO-Aufkleber:

„Warum Organe auf Wolken betten....“
Die Aufkleber können beim BDO bezogen werden.
>> Kontakt