27.12.2016

37. Arzt-Patienten-TX-Stammtisch in Gießen

Die BDO-Regionalgruppe Gießen/Fulda lud am 6. Dezember zum letzten Arzt-Patienten-TX-Stammtisch des Jahres ein. Zum Thema „Fernreisen nach Transplantation“ fanden sich Interessierte im UKGM-Standort Gießen ein.

Nach einer Begrüßung durch Rüdiger Volke, der auf die Termine und Themen im nächsten Jahr hinwies, konnten die Referentinnen, die beide lungentransplantiert sind, mit ihrem Vortrag beginnen.

Vera Fischbach machte den Anfang und berichtete über ihre Reisen in die USA und nach Namibia. Danach berichtete Frau Monika Franke von einer ihrer Fernreisen, die sie auch nach Namibia geführt hatte.

Zuerst allerdings gaben die beiden allgemeine Informationen, die für Reisen und insbesondere Fernreisen nach Transplantation gelten.

Der Zeitpunkt

  • Grundsätzlich kommt es immer auf den aktuellen Gesundheitszustand an
    mit Tx-Ambulanz abklären, was die meinen
  • Innerhalb des ersten Jahres nur in Deutschland
    Falls was sein sollte, wäre man im Notfall schneller in seinem Zentrum
  • nach einem Jahr auch längere Flugstrecken möglich
    Wenn dann gesundheitlich nichts mehr dagegen spricht, kann man ab da die Welt entdecken!!

 Vorbereitungen

  • Wahl des Reiseziels :
    Gute medizinische Versorgung (USA, Kanada...)
    Je schlechter die medizinische Versorgung vor Ort, desto besser die Vorbereitung, hängt auch etwas vom Gesundheitszustand ab. Afrika hat jetzt nicht die beste med. Versorung

    Keine Reisen in Infektionsregionen (z.B. Malaria, Gelbfieber)

  • Infos im Internet oder bei Ärzten oder Reiseveranstaltern
    Genaue Informationen über Reiseziel (Auswärtiges Amt)
    Vielleicht bestehen Reisewarnungen oder ähnliches

  • Informationen im Internet
    Facebook Gruppe „LTX-Travellers“: andere Transplantierte berichten wo sie schon waren und welche Erfahrungen sie gemacht haben.

  • Absprache mit LuTx Zentrum
    Haben evtl. auch schon Erfahrungen oder kennen Patienten die schon weiter weg waren

  • Wer fliegt mit?
    Für mich sehr wichtig, dass es jemand ist der meine Geschichte kennt und sich dann im Notfall um mich kümmern bzw. alles in die Wege leiten kann, wenn ich nicht mehr in der Lage dazu wäre.

  • Sauerstoff
    Wenn die Reise über 2000m Höhe führt, sollte evtl Sauerstoff mitgeführt werden: Rücksprache mit der Ambulanz

    Wenn Sauerstoff benötigt wird, muss er verordnet werden, wichtig ist, sich über verschiedene Geräte zu informieren, bei der Fluggesellschaft muss nachgefragt, der Gerätetyp mitgeteilt und eine Genehmigung eingeholt werden. Jede Fluggesellschaft hat andere Vorschriften

 Wenn das Reiseziel feststeht

  • Klinik für den Notfall suchen und evtl. kontaktieren
    Suche im Internet, andere Patienten und/oder Ambulanz fragen
  • Eventuell notwenige Impfungen früh genug durchführen
    Infos hierüber gibt’s beim Hausarzt, Klinik, Internet
    Die Kosten hierfür übernehmen oft die Krankenkassen
    Evtl. Titer-Bestimmungen älterer Impfungen (HEP) und ggf. nachimpfen
    Achtung: kein Lebendimpfstoff!
  • Blutentnahme nur in Absprache mit der Ambulanz, vorher informieren, evtl. müssen Kosten selbst übernommen werden

 Versicherungen

  • Auslandskrankenversicherung (ca. 10€/Jahr, BarmerGEK (HUK))
    Einfach mal bei seiner Krankenkasse nachfragen
    Die Kosten für die Blutabnahme in Amerika musste Frau Fischbach selbst zahlen, ca. 80€
  • Reiserücktrittsversicherung (ADAC)
  • ADAC Plus Mitgliedschaft
    Rücktransport nach Deutschland, evtl. notwendige Medikamentenlieferung
    Lohnt sich, wenn man öfter mal verreist und auch oft mal mit seinem Auto/Motorrad im Ausland unterwegs ist

 Dokumente

  • Versicherungsunterlagen
    Von einigen eine Kopie im Koffer und das Original am Mann/ an der Frau haben
  • Impfpass
  • Notfallnummern
    Nummern von den Mitreisenden vor Ort, von Kliniken, die Zettel an jeden Mitreisenden verteilen
  • Reisepass
  • Personalausweis
  • Internationaler Führerschein
  • Nationaler Führerschein
  • Behindertenausweis und Parkausweis (falls vorhanden)
    Hat sowohl in Namibia und den USA nie Probleme gegeben, in Afrika war immer genug Platz da , es gab dort auch teilweise Rabatte
  • Arztbrief auf Deutsch
  • Arztbrief auf Englisch mit den wichtigsten Infos

 Medikamente:

  •  Genug mitnehmen
    Dauer der Reise plus ca. 2 Wochen
  • Notfallmedikamente
    Antibiotika, Schmerztabletten, Elektrolyte, usw. je nachdem, was als wichtig erachtet wird
    Aber in Absprache mit dem Zentrum!
  • Monoemblex
    Thrombosevermeidung bei längeren Flügen > 4h
    Falls benötigt, auch in Absprache mit dem Zentrum
  • Desinfektionsmittel, Mundschutz
  • Asthmamonitor, Fieberthermometer
  • Ausreichend Sonnenschutz
    Hoher Sonnenschutzfaktor!
    Und auch passende Kleidung, in Afrika z.B. lange dünne Kleidung!

 Hygiene

  • Mundschutz im Flughafen/Flugzeug, Reisebus
  • Klimaanlagen vermeiden oder Mundschutz anziehen
    Klimaanlage tagsüber an, durchlüften, nachts aus...
  • Vermeidung von Hotelpools oder Saunen
  • Essen und trinken nach „Bauchgefühl“
    z.B. kein Salat, keine Eiswürfel, kein bereits geschältes Obst…
  • Kein Leitungswasser trinken oder zum Zähneputzen verwenden
    Darauf achten das man immer genug Wasser dabei hat, wenn man unterwegs ist, falls man mal liegen bleibt, z.B. immer 5-10 Liter Flaschen kaufen
  • Im Hotel auf Schimmel im Bad achten, zur Not Zimmer tauschen; auf saubere Bettwäsche achten; am besten eigenes kleines Kopfkissen mitnehmen
  • Darauf achten, ob Erkältete in der Nähe sitzen, gegebenfalls den Platz tauschen
  • Hände ausreichend und regelmäßig desinfizieren
  • Überall wo Staub ist, Mundschutz tragen

Unterwegs

  • Medikamente ins Handgepäck und auf das Handgepäck der Mitreisenden verteilen
    müssen nicht in Originalverpackung sein, Blister reichen
    Wochenweise in ein Zippbeutel und verteilen, falls ein Koffer verschwindet ist es
    kein Problem
  • Alles Flüssige, Desinfektionsmittel, Cremes usw. in Zippbeutel verpacken
  • Genug Zeit bei Kontrollen einplanen
  • Arztbrief griffbereit halten
  • Behindertenausweis zeigen, dann ist es möglich, ohne lange Wartezeit ins Flugzeug zu kommen, gegebenfalls wird man mit dem Rollstuhl gefahren
  • Herztransplantierte sollen nicht in den Körperscanner
  • Im Reisebus: Medikamente in Griffnähe behalten, nicht in Kofferklappe, müssen bei Gefahr immer zur Hand sein
  • Medikamente immer für 3-4 Tage bei sich tragen
  • Medikamente in gepolsterten Behälter mit Kühlakkus, wenn es sehr heiß ist        

Essen

  • Obst/Gemüse: Schälen oder Kochen, nicht bereits Geschältes essen, kein Salat!
  • Wasser/Getränke: auf verschlossene Flaschen achten, lieber aus Flaschen (mit Strohhalm) trinken, als aus einem Glas
  • Frühstückbuffet: Käse/Wurst sollten auf gekühlten Platten angerichtet sein, nicht zu lange stehen
  • kein Sandwich
  • wenn möglich, kleine Portionspackungen verwenden (Margarine, Marmelade usw.)
  • wenn nicht, nur heiße und gekochte/gegarte Speisen zu sich nehmen
  • Eier nur als 10-Minuten-Eier, Spiegeleier/Omeletts müssen von beiden Seiten durchgegart werden
  • kein Eis, keine Zitrone und Eiswürfel in Getränken
  • Innenseite der Serviette benutzen, nicht offen liegenden Teil

 Nach diesen Informationen berichtete Frau Fischbach, begleitet von schönen Bildern, von ihrer Reise nach Namibia, die sie zusammen mit ihrer Familie gemacht hatte. Der Urlaub war selbst organisiert und Unterkünfte, Mietwagen und Flug wurden von Deutschland aus gebucht.

Der Flug verlief ohne Probleme und dort angekommen fuhren sie mit dem gemieteten Wagen quer durch das Land. Sie besuchten einen Nationalpark, bestiegen Dünen, sahen viele Tiere, wanderten häufig mit ausreichend Sonnenschutz versehen und erlebten eine schöne und spannende Zeit. Die Straßen waren vor allem Schotterpisten und es war generell sehr sandig, aber wenn es zu viel wurde, trug Frau Fischbach einen Mundschutz. Eine Blutentnahme ließ sie in dieser Zeit nicht durchführen, dafür direkt vor und nach der Reise.

Frau Franke erzählte abschließend, auch in Begleitung ihrer schönen Fotos, von ihrer organisierten Gruppenreise nach Namibia. Sie und ihr Mann verreisen immer auf diese Weise und sie wies darauf hin, dass diese Form der Reise sehr anstrengend sein kann, weil man sich der Gruppe und den täglich wechselnden Gegebenheiten anpassen muss. Es gibt ein festes Programm, das eingehalten werden muss, wozu auch mitunter täglich wechselnde Städte und Hotels gehören und ein Zurückbleiben ist nicht möglich. Der Vorteil einer solchen Reise ist, dass man selbst nicht planen und organisieren muss. Den Reiseleiter sollte man zu Beginn über den gesundheitlichen Zustand informieren, damit dieser im Notfall entsprechend reagieren kann. Deshalb sollte man eine Gruppenreise sehr von seinem Gesundheitszustand abhängig machen.

Nach diesem sehr informativen und interessanten Vortrag bedankte sich Rüdiger Volke bei den Referentinnen und der Nachmittag klang bei dem üblichen „Babbeltreff“ in der Cafeteria aus.

Andrea Dorzweiler, Vera Fischbach, Monika Franke, 22.12. 2016

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