Lung Allocation Score (LAS)

Neue Richtlinien zur Warteliste und Vermittlung in der Lungentransplantation in Deutschland seit 10. Dezember 2011

Die neuen "Richtlinien für die Wartelistenführung und die Organvermittlung zur Lungentransplantation" hat die Bundesärztekammer am 11. Nov. 2011 im Deutschen Ärzteblatt Nr. 45/2011 veröffentlicht. Mit dem LAS berücksichtigen die Richtlinien zukünftig die Vorgaben des Gesetzgebers, wonach die Spenderlungen nach Dringlichkeit und Erfolgsaussicht an die Patienten verteilt werden sollen. Das bedeutet, dass die Wartezeit seit 10. Dezember 2011 keine Rolle mehr spielt.

Die Aktuellen Richtlinien für die Wartelistenführung und die Organvermittlung, lesen hier! (2016)

HINWEIS: Diese Richtlinie wird ebenso wie alle anderen zur Organtransplantation überarbeitet.

Der LAS-Score wird wie folgt berechnet:

  1. Berechnung der Überlebenswahrscheinlichkeit auf der Warteliste für das folgende Jahr
  2. Berechnung des Wartelistenindex
  3. Berechnung der Überlebenswahrscheinlichkeit für das erste Jahr nach Transplantation
  4. Berechnung des Überlebensindex nach Transplantation
  5. Kalkulation des LAS-Rohwertes aus Überlebensvorteil durch die Transplantation abzüglich Wartelistenindex
  6. Der endgültige LAS errechnet sich durch Normalisierung des LAS-Rohwertes auf einer Skala von 0 bis 100.

Die bis zu 27 Parameter für die Berechnung des LAS sind in der Anlage 1 der Richtlinien zur Lungentransplantation aufgelistet (Link zu den Richtlinien s. u.).

Einen LAS-Rechner (derzeit nur englischsprachig; deutschsprachige Version ist geplant) zur selbständigen Ermittlung des eigenen LAS ist auf der Eurotransplant-Homepage zu finden unter: http://www.eurotransplant.org/cms/index.php?page=las_calculator.

 

 

LAS-Calculator auf der Website von Eurotransplant

Im Hinweis zu Berechnung des LAS fordert die Bundesärztekammer "Kandidaten, die zurzeit auf einer Lungen-Warteliste stehen, sollten ihr Transplantationszentrum um die Übermittlung ihres LAS bitten." Dies gilt insbesondere für Patienten, die schon vor dem 10. Dezember 2011 bei Eurotransplant gemeldet waren.

Die Allokation von Spenderlungen erfolgt für alle transplantablen Patienten zunächst nach Größe und Blutgruppe. Kommen danach mehrere Patienten als Empfänger in Betracht, wird nach dem höchsten LAS-Wert vermittelt.

Ausnahmen vom LAS

Das Transplantationszentrum kann bei seltenen Erkrankungen (z.B. Sklerodermie oder Zustand nach Knochenmarkstransplantation) bei der Vermittlungsstelle einen Antrag stellen, in dem es begründet, warum der LAS die Dringlichkeit und Erfolgsaussicht einer Transplantation bei diesem Patienten und seinem Krankheitsbild nicht adäquat widerspiegelt. In diesen Ausnahmefällen beruft die Vermittlungsstelle zur Feststellung der Dringlichkeit und Erfolgsaussicht eine Sachverständigengruppe ein, um zu klären, welcher LAS zuerkannt wird.

Liegen jedoch häufige Diagnosen wie Lungenemphysem, Lungenfibrose und Mukoviszidose vor, gilt der primär kalkulierte LAS.

Vollständigkeit der Parameter und regelmäßige Aktualisierung des LAS

Für die Lungenwartelistenpatienten ist es bedeutsam, dass alle für die Berechnung des LAS erforderlichen Parameter in die Berechnung eingehen, da sonst das System automatisch Werte ergänzt, die nicht auf die betreffenden Patienten zutreffen müssen, wodurch sich möglicherweise ein zu niedriger LAS-Score ergibt.

Die Transplantationszentren sind verpflichtet, die für den LAS erforderlichen Parameter der Wartelistenpatienten mindestens vierteljährlich zu aktualisieren. Eine erhebliche Veränderung des Gesundheitszustands und damit eine Änderung der Dringlichkeit der Transplantation erfordert eine unverzügliche Mitteilung der für die Aktualisierung des Scores durch die Vermittlungsstelle erforderlichen Daten.

Kinder und Jugendliche

Der LAS ist nur für Empfänger ab 12 Jahren belegt. Daher erfolgt die Allokation bei Kindern bis 12 Jahre abweichend: Für sie wird ein LAS von 100 angenommen.

Kombinierte Organtransplantation

Patienten mit geplanter Herz-Lungen-Transplantation haben Vorrang vor Patienten mit isolierter Herz- oder isolierter Lungentransplantation. Organe für Patienten mit geplanter Herz-Lungen-Transplantation werden nicht nach dem Lung-Allocation-Score (LAS), sondern nach den Regelungen für die Herz- und Herz-Lungen-Transplantation vermittelt.

Für andere kombinierte Lungentransplantationen mit nichtrenalen Organen (Organe außer Nieren) beruft die Vermittlungsstelle auf Antrag des Transplantationszentrums eine Sachverständigengruppe ein, um zu klären, welcher LAS zuerkannt wird.

Nicht transplantabel (NT)

Wird ein Patient im NT-Status wieder als transplantabel eingestuft, ist eine erneute Dateneingabe zur Berechnung des LAS notwendig.

 

Das LAS-basierte Allokationssystem wurde für die USA auf Grundlage der amerikanischen Transplantationsdaten entwickelt und wird seit Mai 2005 dort angewendet. Der LAS wurde in der Fassung vom 1. 1. 2010 in Deutschland eingeführt. Er wird zukünftig regelmäßig durch die Ständige Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer überprüft und gegebenenfalls an den Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft angepasst. Dazu wird von Eurotransplant eine Datenbank für Deutschland geführt. Diese erfasst die LAS-Parameter, die Wartelistensterblichkeit, das Einjahresüberleben sowie definierte Parameter zur Weiterentwicklung des Scores (sogenannte LAS-plus-Score).

Spätestens 2017 wird die Arbeitsgruppe "Richtlinien Thorakale Organe" der Bundesärztekammer den LAS überarbeiten. Wann die Neufassung der dazugehörigen Richtlinie in Kraft treten wird, lässt sich nicht vorhersagen.


Quelle:

  • Fachbereich Lungen- und Herz-Lungen-Transplantation des BDO e.V., Tel. (07642) 9 27 93 17 (AB), E-Mail: burkhard.tapp@remove-this.bdo-ev.de; aus: "transplantation aktuell" – Zeitschrift des Bundesverbandes der Organtransplantierten e.V. (BDO), Ausgabe 4/2011 Seite 11 ff., aktualisiert: 12. 1. 2016
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